WIEN
Gibt es eine europäische Hauptstadt, in der Kultur, Historie, Kunst, Architektur und Kulinarisches zu einem günstigen Preis auf einen Schlag zu genießen sind? Ja, lautet die für manche wohl überraschende Antwort. Die Lösung? Warten Sie es ab! Ich nenne nur ein paar Schlagwörter: Sachertorte, Burgtheater, Hofburg, Heurigen – dann kommen Sie leicht darauf. Die Stadt, in der man mit jedem Geldbeutel gut, bequem und sicher ein paar Tage einen Kurzurlaub machen kann, ist Wien. Im Folgenden werden einige Geheimtipps preisgegeben, die einen Trip in die Welthauptstadt des Opernballs und des Walzers noch schöner machen.
Die Anfahrt Wien ist aus Deutschland heraus ideal erreichbar mit der Bahn. Zahlreiche Spezialtickets wie das Europa-Spezial der Bahn und des österreichischen ÖBB ermöglichen es, für 29 Euro von beispielsweise Hamburg nach Wien zu kommen (eine Strecke), wenn man rechtzeitig bucht. Gerade die neuen Railjets des ÖBB sind sehr bequem. Wien bekommt einen neuen Großbahnhof, deshalb sind am Wiener Westbahnhof etwas chaotische Zustände zu verzeichnen. Von München bis Wien sind es vier Stunden zu fahren. Fluggesellschaften wie Air Berlin bieten Flüge nach Wien und zurück von Düsseldorf oder Berlin für ca. 99 Euro an. Selten zahlt man mehr als 150 Euro. Der Flughafen in Schwechat ist sehr gut an die S-Bahn angeschlossen, auch fahren zahlreiche Busse zu den wichtigsten Plätzen und Hotels der Stadt. In Wien braucht der Tourist kein Auto. Im Gegenteil, man kommt sehr günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt. Der Takt der U- und Trambahnen ist sehr hoch, so dass man viele Orte sehr schnell erreicht. Nur die Zahl der über 70 Straßenbahnlinien lässt einen manchmal die Übersicht verlieren. Mit dem Auto geht es von Deutschland aus über die Westautobahn nach Wien, hier ist ein Pickerl erforderlich. Die Strecke ist auch stauanfällig. Aber wer auch den wunderschönen Wiener "Speckgürtel" mit dem Wiener Wald und Klosterneuburg besichtigen will, für den macht eine Anfahrt mit dem Auto natürlich Sinn.
Die Hotels Wien bietet natürlich Hotels jeder Preiskategorie. Aber das Schöne ist: Sehr oft gibt es Angebote, wo man in einem Drei-Sterne-Hotel schon ein Doppelzimmer mit Frühstück ab 50 Euro bekommt. Der Schnitt der Hotelpreise bei hohem Komfort ist im europäischen Vergleich ungeheuer niedrig. Selbst, wenn die Hotels ein bisschen weiter außerhalb liegen, so ist das aufgrund der guten öffentlichen Verkehrsversorgung kein Problem. Wer es stilecht haben will und wer den Geldbeutel ein wenig strapazieren kann, der kann natürlich nah am Schloss Belvedere in einem altehrwürdigen Residenzhotel absteigen. Auch hier gibt es manchmal erstaunliche Sonderangebote.
Das Essen Essen kann man in Wien einmalig günstig, wenn man nicht direkt auf der Kärntner Straße oder in der Hofburg essen möchte. Es gibt viele kleine Restaurants in den Außenbezirken, wo einheimische Metzger wenige, aber gute Speisen zum Preis für die Einheimischen anbieten. Ich habe den Fiaker-Gulasch sehr genossen, es gibt diverse tolle Mehlspeisen – das Wiener Schnitzel gibt es ab 7 Euro und meist ist es so groß, dass es über den Tellerrand hinaus hängt. Dazu kann man nebenbei einen Käsekrainer, ein einheimisches Würstchen, für 2 Euro auf die Hand nehmen. Man braucht sich auch nicht zu scheuen, in das ungarische Viertel um den Augarten zu gehen. Denn hier sind die Preise günstig und viele Lokalitäten sind gepflegt.
Kaffeehausbesuch obligatorisch Zu den besonderen Kulturspezifitäten gehört der Kaffeehausbesuch im Cafe Zentral, im Hawelka oder Grundmann (wo zwar Kaffee und Kuchen 10 Euro kosten, aber es lohnt sich!), wo man die künstlerisch-intellektuelle Atmosphäre aufschnappen kann. Ein Stück Sachertorte gehört nun einmal zu Wien dazu, die Schokolade schmeckt herrlich. Und einen Melange oder großen Braunen genießt man ebenso... Eine Stadtrundfahrt kann man auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln machen. Die Linie 1 fährt zum den Ring herum, sehr schön. Die Linie D fährt am berühmten Marxhof vorbei. In Wien gibt es viele Genossenschaftshäuser, die das Stadtbild prägen. In den Außenbezirken ist Wien ein wenig schmuddelig, aber charmant und kaum gefährlich.
Grinzing und so weiter... Wien ist die Stadt mit den größten Weinanbauflächen weltweit. Daraus sollte man Kapital schlagen. Denn in den Heurigen-Vierteln gibt es einen Viertel Heurigen für sensationelle 2,30 Euro. Dazu gibt es süße Schmankerl wie den Mohr im Hemd, einen Schokoladenkuchen mit Sahne ebenso günstig. Grinzig hat, eingeschmiegt vor dem Wiener Wald, auch architektonisch seinen eigenen Scharm.
Kulturwelthauptstadt Neben der Kunst spielen Theater und Oper eine wesentliche Rolle. Das Schöne an Wien ist, dass jede Vorstellung Karten unterschiedlicher Kategorie hat. Man kann zum Beispiel im herrlichen Burgtheater schon einen schönen Sitzplatz am Samstag Abend für 17 Euro bekommen, ebenso Opernkarten für 30 Euro (wenn man frühzeitig bucht, das ist natürlich immer die Vorbedingung). Zum Opernball kommt der Normalsterbliche natürlich nicht, aber man kann die schönen Strauß-Walzer eben auch sonst in Konzerten erleben. Shoppen kann man gut in der Mariahilferstraße. Und im Sommer lohnt eine Fahrt auf den Leopoldsberg, der schon im Wiener Wald liegt. Hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und die Donau, die dann in der Slowakei im Horizont verschwindet. Allgemein lohnt sich eine Donauschifffahrt, wer viel Zeit hat, natürlich auch in die Wachau.
Kleine Nachteile Die Eintrittspreise in Museen sind oft sehr happig. Man kommt kaum unter 9 Euro in eine Kunstausstellung wie die Albertina oder die Sezession hinein. Da hilft dann ein Kombiticket Sissi für die Hofburg für 12 Euro, aber auch in Verbindung mit einer Mehr-Tages-Fahrkarte für die Wiener Verkehrsbetriebe der Wien-Pass. Insgesamt aber sind die Menschen herzlich, die Stadt ist hochprofessionell organisiert und für den weniger Ortskundigen sind die Wege sehr transparent dargestellt. Und wenn man auch nicht frühzeitig auf den Friedhof will: Ein Besuch auf dem Wiener Zentralfriedhof in Wien-Simmering ist ebenfalls Pflicht. Getreu nach dem Motto Wolfgang Ambros' „Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten...“
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