DANZIG
Danzig ist nicht eine Stadt, sondern besteht im Grunde aus deren drei. Hierzu zählen Gdingen, Sopot und eben Danzig selber. Zusammen wohnen in der Region in etwa 800.000 Menschen.
Politisch, kulturell und historisch hat die Ostseestadt einiges zu bieten. Und für viele Deutsche ist mit Danzig auch Heimat verbunden. Deshalb zieht es sie immer wieder dorthin.
Mit der Einführung des Euro und der Fußball-Europameisterschaft 2012 werden Danzig und Umgebung richtig teuer. Man sollte also versuchen, noch in diesem oder im nächsten Jahr die günstigen Preise und Wechselkursbedingungen in Polen auszunutzen.
Wie komme ich sicher, schnell und günstig nach Danzig? Zwar gibt es viele Witze über den Autoklau in Polen, aber wie ich feststellen konnte, treffen die damit vermittelten Vorurteile leider immer noch zu. Mit einem nagelneuen Auto sollte man nicht nach Polen fahren, selbst wenn man auf angeblich bewachten Parkplätzen parkt. Denn oft gibt der Parkwächter gewissen Leuten einen Hinweis darauf, dass sich lohnende Objekte auf seinem Parkplatz befinden. Aber auch ohne Diebstahl ist es so, dass die Polizei Touristen aus dem westlichen Ausland privilegiert abkassiert. Der Rat: Sofern irgendwie möglich, das Auto zuhause stehen lassen. Wenn nicht, dann fährt man aus Richtung Berlin vom Grenzübergang Pomellen/Kołbaskowo bei Stettin Szczecin über Goleniów, Koszalin, Slupsk und Lebork gelangen Sie in Richtung Danzig. Die Entfernung Berlin - Gdańsk beträgt etwa 485 km. Nach Danzig kommt man bequem mit der Bahn oder mit dem Flugzeug. Mit der Bahn dauert es länger, aber es ist günstig. Von Berlin kann man zum Beispiel vom Ostbahnhof um 10.07 Uhr losfahren und kommt um 17:49 Uhr in Danzig Hbf (Gdansk Glowny) an. Schwieriger ist es, wenn man aus dem Süden Deutschlands kommt und noch durch die Tschechische Republik fahren muss. Das ist eigentlich nur für Abenteurer zu empfehlen.
Man kann sehr günstig nach Danzig fliegen. Dies liegt an der guten und sicheren Billig-Fluglinie Wyzz Air aus Ungarn, die viele osteuropäische Destinationen bedient. Besonders günstig (ab 20 Euro oneway) kann man Flüge entsprechend rechtzeitig von Dortmund oder Köln nach Danzig buchen. Von München fliegt man mit Lufthansa für circa 150 nach Danzig und zurück. Der Flughafen Lech Walesa befindet sich in Gdańsk-Trojmiasto, etwa 8 km westlich der Innenstadt von Gdańsk. Von dort bringen Sie Taxis oder Busse der PKS in die Stadt. Aber man sollte mit den Taxifahrern einen festen Preis aushandeln, den Sie vorher telefonisch bei Ihrem gebuchten Hotel oder Privatquartier erfragen sollten. Der Preis vom Flughafen nach Sopot beträgt je nach Kurs des Sloty zwischen 15 und 20 Euro.
Mit der Fähre kann man (über Nacht) von Rostock bis Gdingen bei Danzig fahren. Das kostet in einer Vier-Kabine ab 67 Euro pro Person. Wenn die Kabine weniger besetzt ist, steigt der Preis dementsprechend. Seit Juni 2009 gibt es sogar eine direkte Fährverbindung von Travemünde nach Gdingen. Hier gibt es einen guten Bahnanschluss in die Innenstadt von Danzig. Übernachtungen Drei bis vier Tage sind eine angemessene Besuchszeit für Danzig und Umgebung. Wer allerdings im Sommer kommt und gern in der Ostsee schwimmt, sollte sich ein paar Tage dafür extra nehmen. Der Strand von Sopot ist sauber und überwacht.
Gepflegte Hotels etwas abseits vom Zentrum gibt es für 40 Euro aufwärts. Wer im Zentrum wohnen will, was bei einem kurzen Aufenthalt empfehlenswert ist, der muss in einem guten Hotel mit Frühstück ab 70 Euro berappen. Empfehlenswert sind jedoch auch Privatquartiere nah an der Ostsee in Sopot. Deutschstämmige Danziger freuen sich immer über deutschen Besuch, sprechen die Sprache und bieten gepflegte Zimmer und Appartements mit Frühstück ab 20 Euro an. Historischer Hintergrund Die Geschichte des einst westpreußischen Danzig ist vielfältig. Als Ostseestadt war die Stadt sehr reich. Kaufleute brachten viele Waren und den Wohlstand, der in der Architektur wiederzufinden ist. Aber Danzig ist im 20. Jahrhundert durch die Weltkriege schwer erschüttert worden. Nach den deutschen Gebietsabtretungen im 1. Weltkrieg wurde Danzig „freie Stadt“, geschützt durch den berühmten Korridor. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt dann fast vollständig zerstört. Es ist einer unglaublichen architektonischen und künstlerischen Aufbauleistung der Polen zu verdanken, dass wir heute die herrliche Altstadt besuchen können.
Sehenswürdigkeiten Es ist sinnvoll, sich am ersten Tag einen Überblick über die wunderschöne Altstadt zu verschaffen. Vom Bahnhof ist diese in knapp 15 Minuten zu erreichen. Vorbei an der schönen Markthalle und der Nikolaikirche geht man direkt auf die Marienkirche zu, den größten Backsteindom der Welt. Das berühmteste Gemälde der Marienkirche, "Das jüngste Gericht" von Hans Memling, ist lediglich in einer Kopie in der Kirche zu sehen. Das Original hängt im Danziger Nationalmuseum. Man sollte sich jedoch kundig durch den Dom führen lassen. Führer können vor Ort für 30 Euro für eine Gruppe engagiert werden. Danach geht es weiter durch die Frauengasse, die durch alte Kaufmannshäuser geprägt ist. Links und rechts ranken riesige Bernsteinketten, die günstig angeboten werden, man kann aber immer auch ein wenig verhandeln. Hier empfiehlt es sich, für einen Cappuccino, der hier 2 Euro kostet, in einem der netten Cafes zu verweilen. Am Ende der Gasse wartet das berühmte Krantor, das an der Mottlau steht, dem Fluss, der ein Nebenarm der breiten Weichsel ist. Von hier aus hat man einen guten Überblick über den historischen Hafen. Man kann mit dem Schiff zur Westerplatte fahren, wo der 2. Weltkrieg durch Schüsse des deutschen Zerstörers Schleswig-Holstein auf ein polnisches Waffenlager begann. Geht man ein Stück an der Mottlau entlang, biegt man am nächsten Stadttor, dem grünen Tor, in die Langgasse ein. Hier hat man einen schönen Blick auf das Rathaus und den Neptun-Brunnen. Man sollte den Artus-Hof mit der berühmten Ritterrunde besuchen. In der Langgasse gibt es zahlreiche Restaurants mit Tischen auf den Plätzen, die man bei schönem Wetter in Anspruch nehmen sollte. Trotz der illustren Lage kommt man – auch dank des günstigen Sloty-Kurses – bei einem guten Essen mit Vor- und Nachspeise kaum auf über 15 Euro. Überraschenderweise sprechen gar nicht so viele Leute in Danzig Englisch; Deutsch wird eher außerhalb Danzigs, in Sopot oder südlicher in Westpreußen gesprochen. Am Ende der Langgasse befindet sich das Goldene Tor. Von hier aus fahren Straßenbahnen wieder zum Hauptbahnhof und in andere städtische Bereiche hinein.
Weitere Sehenswürdigkeiten Natürlich lohnt sich eine Fahrt ins Haff. Ein Spaziergang zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt führt Sie an die Piers am Skwer Kościuszki. Dort kann man das Museumkriegsschiff "Błyskawica" und die Fregatte "Dar Pomorze" besichtigen. Sopot ist der feine Schicki-Badeort an der Ostsee, in welchem der polnische Ministerpräsident Tusk und viele Prominente Ferienresidenzen haben. Und es lohnt sich. Der längste Steg Europas führt in die flache See hinein. Am Ufer gibt es frischen Fisch sehr günstig. Und im Sommer finden hier Open Air-Konzerte statt. Von Danzig fährt man mit dem Zug in 25 Minuten nach Sopot. Vom Bahnhof geht es in 15 Minuten durch eine gepflegte Fußgängerzone zum Strand, wo der Bär tanzt. Hotels sind hier ziemlich teuer, aber ein wenig außerhalb sind die Preise gerade in Pensionen gut bezahlbar.
Im August gibt es in der Altstadt von Danzig die bekannten Shakespeare-Tage, wo überall auf offenen Bühnen Stücke gespielt werden. Die Umgebung Nur eine Stunde von Danzig entfernt liegt Marlbrok, die Marienburg, eine gigantische Festung, die früher einmal der Hauptsitz des Deutschen Ritterordens war. Und dann gibt es auch noch die schöne Stadt Torun, die ein wenig weiter südlich liegt und ein wahrer Schatz ist. In einem Vorort von Sopot liegt die wunderschöne Kirche von Oliva. Vielen Senioren, die aus Westpreußen oder Umgebung stammen, sind viele der Orte in ihren deutschen Bezeichnungen vertraut. Und das Verhältnis zu den Polen ist vielerorts auch sehr gut geworden, nicht nur, weil die Deutschen Geld ins Land bringen. Polen gehört zu Europa. Der Raum Danzig ist ein Wachstumsraum, dessen wirtschaftliche und logistische Entwicklung beeindruckend sind.
Was fehlt… … ist das Goldwasser, ein würziger Likör, der ursprünglich von der Likörfabrik „Der Lachs zu Danzig“ hergestellt wurde. In dem Schnaps, der 40 % stark ist, schwimmen kleine Blattgoldflocken. Ein ideales Mitbringsel…
Fazit Wenn man einen frühen Flug bucht und bei der Quartierauswahl sorgfältig vorgeht, dann kann man vier Tage Danzig für weniger als 500 Euro genießen und sich sogar etwas gönnen. Und man hat europäische Geschichte und Kultur hautnah und bei gesunder Luft genossen…
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